Shitei-funi - Die Einheit von Meister und Schüler
Ist ein buddhistisches Prinzip, das besagt, dass Meister und Schüler zwei und doch nicht zwei sind, für unser dualistisches Denken wieder mal schwer zu begreifen. Der Meister ist eins mit dem Schüler, auf der gleichen Stufe und das Ziel des Meisters ist es gemeinsam mit dem Schüler einen Schritt weiter gehen zu können, als er es ohne seinen Schüler geschafft hätte und dass der Schüler ihn sogar übertreffen sollte. Also alles andere als unser vertikales, hierarchisches Lehrer-Schüler Denken.
Ich spiele seit 1978 (da war ich siebzehn) Bassgitarre und wollte immer Jazzmusiker werden, bin ich es geworden? Ich weiß es nicht so genau... ich habe in den verschiedensten Jazzbands gespielt, konnte aber eigentlich nie so richtig davon leben, deshalb arbeitete ich auch als Theatermusiker bei Musicals wie "Linie 1", "Little Shop Of Horrors" oder "Personals".
Ich habe einige Jahre sehr viel geübt, hatte viele tolle und einige weniger tolle Mentoren/Meister. Überaus dankbar bin ich jedenfalls:

Jean-Francoise Jenny-Clarke, bei ihm lernte ich viel über mich selbst: "You have to learn to address Yourself", sagte er 1982 zu mir bei einem Workshop des Deutsch-Französischen Jugendwerks in Bayreuth, bei dem auch Albert Mangelsdorff und Peter Giger unterrichteten. Die letzteren beiden hatten aber lange nicht die Ausstrahlung von JF-JC, der leider an Lungenkrebs gestorben ist, Gauloises als Kettenraucher... Er hat wirklich alles gespielt von Klassik bis Free und er erzählte mir, wie er 1965 mit Don Cherry im Village Gate gespielt hatte und Charles Mingus sich in die erste Reihe setzte und JF-JC sich beinahe in die Hose gemacht hätte...
Charlie Banacos (Boston-USA, leider kein Bild weil er so publicity-scheu ist...) - einer der fähigsten Lehrer auf dem Planeten und ein Höllenpianist!
Egal welches Instrument, er unterrichtet instrumentenunabhängig und weiss fast alles über alle Jazzmusiker!
Bei ihm machte ich einige Jahre lang einen Correspondence Course mit Audiocassetten. Er stellt Dir eine Aufgabe und Du musst sie innerhalb kürzester Zeit spielen können, aufnehmen und ihm senden, so geht das immer hin und her, nebenbei kannst Du ihn alles, wirklich ALLES fragen und er wird Dir antworten. Schüler von ihm sind oder waren unter anderem: Mike Stern, Danilo Perez, Jeff Berlin.

David
Friedman (USA/Berlin) - Er ist Vibraphon- und Marimbaspieler,
einer der bekanntesten Modernen neben Gary Burton und Dave Samuels.
Er war eigentlich Lehrer von Rupert, dem Vibraphonisten von
"Zabriskie Point", hat aber die ganze Band gecoacht, was sehr, sehr
inspirierend und lehrreich war. Er hat mich darauf gebracht mir zum
ersten Mal, nach Jahren des Bassspielens, Gedanken darüber zu
machen, wann ein Ton aufhört... Ausserdem hat er die zweite
"Zabriskie Point" CD produziert. Durch ihn habe ich auch...

Anthony Cox kennen gelernt, der hervorragend E-Bass
und Kontrabass spielt, zwar eine ganz andere Richtung als ich, er
hat mich aber einen Nachmittag lang als Schüler ertragen und sehr
ermutigt, nachdem ich eine Zeitlang bei Stefan Rademacher war und
mir eine komplett neue rechte-Hand-Technik aneignen musste, nämlich
mit drei, anstatt zwei Fingern zu spielen. Anthony hat mir dann so
in etwa gesagt: "Mach einfach das was sich am Besten für Dich
anfühlt...." Deshalb spiele ich heute eine Mischtechnik manchmal
mit zweien, manchmal mit dreien und manchmal sogar nur mit einem
Finger (wie James Jamerson) das klingt sehr gleichmäßig und eignet
sich gut für groovende Achtelfiguren.

Und dieser hier ist wirklich ein Meister: Anthony
Jackson, er hat bei so vielen Produktionen mitgespielt,
dass man es nicht mehr aufzählen kann und er hat den sechssaitigen
Bass mitentwickelt und groovt wie kaum ein anderer. Ich hatte ihn
1986 im Jazzkeller Frankfurt mit dem Michel Camilo Trio gesehen,
Joel Rosenblatt war der Drummer, und mir war sofort klar, dass ich
Sechssaiter spielen muss. Er arbeitet ganz eng mit FODERA, (bei denen ich
übrigens auch Endorser bin) zusammen und ich habe ihn bei besagtem
Konzert als echten Bodhisattwa erlebt. Er spielte über eine
geliehene LAB-Anlage mit fürchterlich verzerrtem Sound und hielt
immer wenn er konnte mit einer Hand das wackelnde Yamaha Clavinova
von Camilo fest und mit einem Fuss die Bassdrum von Rosenblatt, die
immer wegrutschen wollte. Eugen, der Jazzkeller-Manager hatte
wieder mal an allen Ecken und Enden gespart...
Leider hatte Anthony Jackson (so viel ich gehört habe) zwei
Schlaganfälle, und spielt kaum noch, Falls jemand mehr weiss, bin
ich für Informationen dankbar. Update April 2006: Er spielt, wie
ein Gott! Wer mehr wissen will kann sich über die A.J.-Yahoo-Group auf dem Laufenden halten.
Dann war ich 1998 endlich in New York, eigentlich um meinen
bundierten FODERA Sechssaiter (meinen Fretless hatte mir der
Gitarrist Stephan Stehl 1997 mitgebracht und meinen allerersten,
ein Anthony Jackson Modell 1988 der Gitarrist Jörg Heuser) in der
Werkstatt in Brooklyn abzuholen, habe Anthony Jackson im Blue Note
live gesehen und auch die Gelegenheit genutzt um bei...

Jeff
Andrews zwei lange Nachmittage Unterricht zu nehmen. Er hat
wirklich mit fast allen Grössen der Jazz- und Popwelt gespielt:
Wayne Shorter, Carlos Santana, Vital Information, Peter Erskine...
Das waren tolle Gespräche über Musik und die Welt und harte, aber
ehrliche Worte über mein Bassspiel und den Hinweis doch endlich
anzufangen zu transkribieren (heisst: Andere zu kopieren und
dadurch zu lernen). Sehr frustrierend, aber auch sehr inspirierend!
Habe mir dann gleich bei Tower Records einen Haufen Dexter Gordon
CDs gekauft, bin aber nie über einige Saxophonsolo-Passagen
hinausgekommen, die Faulheit hatte doch wieder gesiegt...
Heute (April 2006) habe ich das Eartraining wieder in mein
Übepensum integriert: der Mac hilft mir ungemein mit Practica Musica und Amazing SlowDowner,
beides fantastische Programme.
Meine Überzeugung:
Timing und Hören sind die wichtigsten Sachen, die man üben sollte,
wobei das Eartraining bei so vielen Musikern ein Schattendasein
hat! Charlie Banacos sagte mal: "Many musicians are like blind
painters."

