Die gaanz offizielle Hartmut Hillmann Heimseite: Bass, Buddhismus, Behinderung

Bands'n Friends


Angefangen hat alles 1978, nachdem ich mir beim Gitarrenbauer Fritz Rössel in Koblenz einen Bass gekauft hatte... eine japanische Jazzbass Kopie der Marke "Marvin", der schwarze Flatwound Saiten, oben und unten knallrot umwickelt, hatte. Nur wegen dieser Saiten hatte ich mir ihn ausgesucht, ich hatte Null Ahnung von Bässen.

Es war aber ein guter Kauf und ich hatte nach einem halben Jahr meinen ersten Auftritt mit der Schüler-Rockband "Break".
Wir spielten Rolling Stones Stücke, Lynyrd Skynyrd, CCR und ich hasste das Zeug wie die Pest! Ich wollte Jazz spielen! Ich hörte Jaco Pastorius, Ron Carter, Eddie Gomez, Stanley Clarke und Hellmut Hattler mit seiner Band "Kraan" ausserdem war ich Zappa Fan.

Dann erhielt ich überraschenderweise Unterricht von Thomas Schmitt, dem Bassisten der lokalen Jazzrockband "Trivial", bei der ich ihn dann später ersetze, war mir das peinlich, ich glaube er hat seitdem auch nicht mehr mit mir geredet. Ein Jahr Bassunterricht brachten mich um einiges weiter, dann sah ich die Michael Sagmeister Group mit Udo Kistner, der sofort mein neuer Held wurde. Ich spielte endlich in einem Gitarrentrio mit meinem damaligen alter ego Stephan Schröter die Musik, die ich wollte, wir waren eine richtige Sagmeister Cover-Band... "Sugar", "Difference", wie die anderen Songs hiessen weiss ich nicht mehr. Sagmeister hatte als Kind sein Rennrad gegen eine Gitarre getauscht und so spielte er auch: schnell und kraftvoll, aber irgendwie klang es oft herzlos... seine Bassisten waren für mich jedoch immer ein Vorbild: Udo Kistner, Jochen Schmitt und dann der musikalischste von allen - Thomas Heidepriem, der ja auch Keyboard spielte.

Ich ging dann 1981 nach Mainz um Zivildienst zu machen und spielte dort im "Büb Schlösser Jazzquartett", dann mit Karl-Heinz Nagel, eben mit der ganzen Lokalszene: den Gessinger Brüdern, "Four", "Trivial", mit der Trindad-Tobago Sängerin Jean Lyons. Dann lernte ich über Karl-Heinz Nagel Jörg "Doc" (auch "#11" genannt) Heuser kennen und wir gründeten 1985 (oder 86?) zusammen mit Günter Gessinger am Schlagzeug "Nightpassage". Wir spielten "Weather Report" Songs nach, gewagt im Gitarrentrio, oder? Die ersten Gitarrensynthies von Casio kamen auf und Jörg komponierte mit dem Computer eigene Stücke, bei denen alles ausnotiert war, jeder Ton, den ich spielte, jede Schlagzeugnote - pervers... Wir übten wie die Wahnsinnigen und wenn wir es nicht schafften, war Jörg sauer, irgendwann dachte ich: "das hat nix mehr mit Jazz und Improvisation zu tun..." und verließ die Band um eine eigene zu gründen, aber vorher...

Bei "Trivial" habe ich dann stundenlanges Jammen und Freespielen gelernt, es war zwar kein Freejazz, aber was es tatsächlich war, das weiss ich bis heute nicht. Dabei ist aber skurrilerweise ein Kontakt zum Liedermacher Jürgen Schöntges entstanden und meine erste und einzige- jawohl-Schallplatte (Vinyl): "Bilderlieder" von Jürgen Schöntges und Trivial. Eigentlich eine unanständige Verbindung... Damals haben wir dann auch mal für Rudolf Scharping in Lahnstein gespielt, er war ein guter Kumpel von Jürgen und noch ziemlich unbekannt, aber schon damals äusserst unsympathisch...

Die eigene Band war dann die "Hartmut Hillmann Eclectic Band" mit David Meisenzahl an den Drums, Thomas Braun am Piano/Keyboard und abwechselnd Hubert Winter und Thomas Bachmann am Saxophon. Diese Band entstand eigentlich aus der Gruppe "Damajuana" die von Foly Lamas (Barcelona) und mir gegründet wurde. Foly lebte ungefähr ein Jahr in Wiesbaden. Die "Eclecticband" war ein gutes Trainingsfeld für eigene Kompositionen. Wir hatten zwei Stücke auf dem Sampler der Jazzinitiative Mainz "Mainzjazz" und Auftritte im Frankfurter Hof (Mainz), in Dijon und Chaumont in Frankreich, später dann in der Besetzung mit Foly auch einige Gigs in Barcelona.
Gleichzeitig lernte ich bei den Sessions im Mainzer "Uncle Satchmo's Lullaby" (dort hatte ich auch Foly kennengelernt) die späteren Zabriskie Point Mitglieder Jochen Krämer, Oliver Leicht und Rupert Stamm kennen und wir gründeten "Zabriskie Point", die beim ersten Gig im Hechtsheimer Treibhaus von Thomas Fuchs noch "Hothouse Flowers" hiessen und für einige Verwirrung sorgten, weil uns einige Leute für die "echten" hielten, das war/ist glaube ich eine irische Folkband...

Zabriskie Point war eine gute und lehrreiche Erfahrung inklusive Afrikatour 1995. Wir probten viel, manchmal wochenlang, meistens in Illingen im Saarland, spielten viel und gingen zum Bandcoaching regelmässig zu David Friedman nach Berlin an die Hochschule der Künste. Aber irgendwann scheiterte das Projekt an den zwischenmenschlichen Beziehungen, wie eben Zweierbeziehungen oft auch, ich war damals noch kein Buddhist und kannte das Prinzip "Trennung ist Illusion" noch nicht ;-)

"Illicit Poetry" war dann meine erste Band, die wirklich meine war. Ich hatte zwei Jahre intensiv Leute gesucht und 'rumprobiert... und dann Ulf Kleiner, Heiko Himmighoffen und Jens Biehl gefunden- endlich suuuuper!!! Wir haben 1998 und 1999 zwei CDs auf Racheles und Marcellos Bauernhof "Podere Casina" in Istia D'Ombrone bei Grosseto in der Toskana aufgenommen. Ich stürzte mich in Schulden für Harddisk Recorder und Aufnahmeequipment, wir mussten alles mit nach Italien schleppen, aber es hat sich gelohnt! Leider hat sich keine Plattenfirma getraut das Material zu veröffentlichen. Und bei einem bis zwei Auftritten pro Jahr ist die Band dann "eingeschlafen". Ich hatte die ganze Zeit über bei Charlie Banacos Unterricht und er unterstütze mich wirklich in allem was ich tat.

Über Charlie lernte ich dann auch Stephan Stehl (wieder) kennen. Er hatte Jahre vorher bei dem Musical "Little Shop Of Horrors" ausgeholfen und mich gefragt, ob ich in seiner Jazzrockband spielen wollte, ich lehnte aber ab, da ich eh' schon im Zwiespalt war, mich entweder voll auf die "Eclecticband" oder "Zabriskie Point" zu konzentrieren. Denn in beiden Bands spielten wir meine Stücke... Als ich dann Stephan wieder traf, war er auf dem Jazztrip und wir spielten Standards und seine Stücke und zwar im wöchentlichen Wechsel im Darmstädter "Eichbaumtresen" und im "Studentenkeller im Schloss". Das ging dann so etwa zwei Jahre und dann wurden beide Veranstaltungen mangels Publikum eingestellt, wir spielten aber noch auf dem Jazzfestival in Szeged/ Ungarn und dann trennten wir uns glaube ich...

Seit dem Jahr 2000 hatte ich dann eigentlich kaum geübt und bis auf einige Aushilfsjobs nur noch bei SELF, meiner Behindertenband Bass gespielt. 1990 hatte ich angefangen Schlagzeug zu spielen, notgedrungenermassen, weil ich es unterrichten musste. Das führte dann dazu, dass ich Drummer bei "Ushi-Tora" wurde, einer deutsch-japanischen Band, die ich mitgründete und die aus praktizierenden NIchiren-Buddhisten besteht.

Im Mai 2005 habe ich aber wieder mit Freude angefangen täglich Bass zu spielen, zu üben und ich spüre wieder etwas beim Bassspielen, was ich fast verloren gegangen glaubte...

Meinen grossen Traum werde ich jedoch niemals aufgeben: von meiner Musik leben zu können, egal wie lange es dauert!

Tja und im September 2006 rief mich dann ein gewisser Gabriel Herbst an und erzählte mir von einer Frankfurter Band mit schottischer Sängerin, das war dann "MBAF"="Mike Burn And Friends" featuring Kate Cassidy, die ständig zwischen Schottland und Frankfurt pendelt. Aber davon bald mehr...

Update März 2009:
In der Zwischenzeit ist wieder viel passiert, mbaf gibt es nicht mehr in der Form, obwohl die Jungs sich donnerstäglich zum jammen treffen, Kate hat 'ne französische Band... 2007 war meine erste und letzte Minitour mit mbaf Kai Eckhardt und Kate, danach gab's keine Gigs mehr und mir wurden die Probenächte zu anstrengend. Vier Tage die Woche um 3 ins Bett und um 8 die Kids in den Kindergarten bringen war mir dann doch zu viel Aufwand.... gemessen an den wenigen Auftritten.

Eine typische Woche sah dann etwa so aus: Montag 23:00 - 1:00 Ushi-Tora Probe, Dienstag 21:30 bis 0:30 Dgroove, Mittwoch 22:00- 1:00 Wasserspiele, Donnerstag 22:00-2:00 Uhr mbaf...

Geblieben ist jetzt nur noch Dgroove, die Band mit dem Sänger Michael T. Binder. Und nachdem eigentlich 99% der Gigs in all meinen Bandprojekten durch meine Vermittlung zustande kamen, dachte ich, dann mach ich doch lieber wieder ein eigenes Projekt mit meiner Musik. Und schon war die "Hartmut Hillmann Band" geboren, nein, so schnell ging es dann doch nicht: im Mai 2008 eröffnete mein Freund und Ex-Bandkollege (Ushi-Tora Sänger) Hide Naruse das japanische Bistro/Restaurant "Mangetsu" in Frankfurt. Er lud mich ein, monatlich bei seinen Vollmondfesten zu spielen (Mangetsu= japanisch=Vollmond) und so probierte ich jeweils verschiedene Musiker aus und es kristallisierte sich die Besetzung mit Klaus Frölich und/oder Warren Wunderlich - Percussion (er ist halb Tamile, halb Inder und bringt das indische Element ein) und Joachim Hain und/oder Matthias Orgler - Keyboard (Letzteren hab ich bei meinem "Bassistensohn" Julian Michel geklaut) heraus.

Wir probieren viele Sachen aus und Hide lässt uns in seiner Kneipe freie Bahn für alle Experimente. Zum Glück ist das überwiegend japanische Publikum stilistisch sehr offen... Wenn mein alter "Illicit Poetry" Drummer Jens Biehl nicht gerade im Tigerpalast beschäftigt, ist spielt er auch manchmal mit, leider nicht am Drumset, dafür ist das Mangetsu zu klein. So ist es nun mein Ziel in dieser Besetzung weitere Gigs auszumachen und dann zu proben, bisher habe ich es ja immer umgekehrt gemacht: Proben, Proben, Proben - aber keine Gigs. Das frustriert auf die Dauer, oder?