Die gaanz offizielle Hartmut Hillmann Heimseite: Bass, Buddhismus, Behinderung

Equipment - die Illusion vom kaufbaren Sound



Also Equipmentmässig habe ich schon so ziemlich alles gehabt, denn ich litt lange unter der verbreiteten Kauf-Dir-Deinen-Sound Krankheit. Tausende von guten alten D-Marks habe ich in immer wieder neues Equipment investiert, angeregt durch Kaufsuchterzeugende Magazine wie : Fachblatt, Soundcheck, Bassplayer und andere. Was dort natürlich meist auch verraten wird, aber nur im Kleingedruckten: Equipment ist nur ein Werkzeug. Der Sound kommt aus Dir, Deinen Fingern, Deiner Haltung, Deiner Atmung, Deiner Stimmung, Deiner ganzen Geschichte und Deinem Charakter!

Jaco klingt immer wie Jaco, egal ob er auf seinem 62er Jazzbass spielt, fretless oder bundiert oder auf Jerry Jemmots Fretless, wie auf dem einzigen Lehr-Video "Modern Electric Bass", dass er produziert hat.

Das Equipment spielt da eher eine untergeordnete Rolle. Aber Generationen von Kids, gestern wie heute fallen darauf rein: Wenn Du wie Marcus Miller Klingen willst musst Du Dir eben genau sein Equipment zulegen... So ein Quatsch!

Es sollte für Dich auch gar nicht erstrebenswert sein, wie Marcus Miller zu klingen, denn er ist einmalig, wie auch Anthony, Jaco, Jimmy Haslip oder Alain Caron und Du solltest versuchen DEINE Stimme auf DEINEM instrument zu finden. Ich habe mit einigen dieser Bassisten geredet und viel gelernt.

Jimmy Haslip sagte: "Ich komme immer mehr dorthin mich und meinen Sound zu akzeptieren und anzunehmen, das ist die Herausforderung..."

Jonas Hellborg: "Musiker wollen keine perfekten Instrumente, sie wollen eine Herausforderung von ihrem Instrument, sei es Stratocaster, Jazz- Oder Precisionbass, Hammond B3, Fender Rhodes, was auch iummer, alle haben ihre Macken, von denen sich kreative Musiker inspirieren lassen."

Hier ein kleiner historischer Abriss meiner Investitionen:

Bässe:

Mit dem Marvin fing alles an, mit dem habe ich auch alles (un)mögliche angestellt: als erstes Bünde raus, zehn mal umlackiert, Tonabnehmerpositionen verändert, gefräst, gesägt, nur Headless habe ich ihn nie gemacht. Headless Bässe fand ich immer pervers. Obwohl ich einen habe, einen Hohner- Steinberger Kopie aus Holz (Danke Olli!)

Der zweite war ein Rockinger Bausatz, Jazzbass mit einem Pickup, Esche-Body, schwer! Gibt's die Firma noch???

Denn Marvin nannte ich dann "The Beast" und den Rockinger "The Beauty", nach einem Wayne Shorter Stück.

Einen Kontrabass hatte ich in dieser Zeit 'mal leihweise für ein Jahr von Christian von Kaphengst (Danke Christian!)

Der dritte war dann schon ein Fodera 1986er Anthony Jackson Modell Contrabassguitar, Sechssaiter, bundiert, genial!

Der vierte war ebenfalls toll: ein Neuser Sechssaiter fretless, mit so viel Liebe zum Detail gemacht (mit rotem Samt ausgekleidetes Batteriefach!!!). Der ist auf dem Eröffnungsstück von der ersten "Zabriskie Point" CD zu hören, die Leute glauben mir nie, dass das ein geslappter fretlesss Bass ist. Stimmt aber!

Dann kam 1997 ein fretless Fodera Imperial Six heisst er glaube ich und 1998 die bundierte Version mit auf meinen Wunsch leicht veränderter Tonabnehmerposition. Beide passiv. Sie sind meine Babies, nein eher meine Meisterinnen, ich fühle mich ihnen oft nicht gewachsen, bin aber so dankbar für diese tollen Instrumente, Danke Vinnie und Joey!!! Alle anderen habe ich irgendwann verkauft, bis auf den Hohner, der ja ein Geschenk von Olli ist.


Amps:

Mesia (!) Zoom 100 Watt Transistor-Combo, viel zu schwach für die Schülerrockband, der Sound war immer verzerrt was die Fans toll und ich grauenhaft fanden. Für 'nen Ampeg SVT-350 hat die Kohle damals nicht gereicht.

Roland Preamp mit 240 Watt getrennter Roland Endstufe SPA-240 hiess die glaube ich (verkauft).

TC-1140 Preamp, eigentlich ein parametrischer EQ, den habe ich immer noch, klingt nach zwanzig Jahren immer noch sehr gut!

Dann kam ein billiger Peavey Preamp, habe ich auch noch, ausser dem Netzschalter klappt alles!

Ein EBS Taurus Combo: zwei Zehnzöller, Hochtöner, Oktaver, Chorus, sehr gutes Teil, Supersound! Aber er war mir nicht laut und bassig genug, habe ihn dann oft mit externer Endstufe plus Hartkebox erweitert (verkauft).

Aguilar DB-680 Röhren-Preamp, wow, ein Edelamp! Sehr teuer und schwer, klingt gut (verkauft).

Dazu kam dann noch 'ne 1600 Watt Crown Macrotech MA-1200 Endstufe, sehr schwer, ich nehme sie heute meist nur zu PA-Zwecken.

Eden Traveller WT-400, das ist ein sehr kompakter 400 Watt Amp mit Röhrenvorstufe - den benutzte ich von 1998 bis 2008 eigentlich ausschliesslich (verkauft).

Dann kam mein Engagement als Eden Endorser auf der Musikmesse 2008: zusammen mit Julian Michel einem begnadeten jungen Lorsbacher(!!!) Bassisten spielten wir gegen den hyperlauten Röhrenverstärkerhersteller aus Brasilien "Meteora" (Endorser von Sepultura) am Stand gegenüber. Trotzdem hat es einen Heidenspass gemacht, ich habe das EDEN-Masterbrain David Nordschow kennen- und lieben gelernt. Ich sollte dann fester EDEN-Endorser werden (Julian hatte sich noch während der Messe zu "Markbass" abgesetzt, spielt heute, März 2009, jedoch "Epifani", tztztz... die unstete Jugend), aber David hat dann vollkommen überraschend EDEN verlassen, wow, das war ein kleiner Skandal, ähnlich in der Bedeutung wie Leo Fenders Verkauf an CBS, EDEN gehört nun zu USM und was David macht, weiß ich nicht...

Mein Endorser-Deal war geplatzt, aber wie so oft: eine Tür geht zu, dafür mehrere andere auf! Ich stieß auf "Euphonic Audio", bzw. Gary Gibilisco. Ich holte meine Aguilar DB680 aus dem Keller und dachte, ok den verkaufe ich jetzt, er ist klasse, aber wiegt zu viel und dann noch ne 20 Kilo Endstufe, nee. Also bei eBay für 700 versteigert und für die gleiche Kohle einen gebrauchten iAmp 800 erworben. Mann klingt das Teil geil! Keine Röhre, aber fett und warm und laut und überhaupt! Einen kleinen Nachteil hatte er jedoch: Zu wenig Eingangspower für meine passiven Bässe. So kam ich in Kontakt mit Gary Gibilisco von Euphonic Audio. Der beste Kundenservice, den ich jemals erlebt habe. Er half mir das Teil umzurüsten und hat mir das Endorsement angeboten. Nun habe ich zwei iAmps, den zweiten direkt von EA aus USA und schon ab Werk modifiziert. Die Transmissionlineboxen von EA habe ich leider noch nicht testen können, weil die hier anscheinend niemand hat, bin aber gespannt.

Boxen:

Meine erste selbstgebaute Box war groß wie ein Sarg und wog eine Tonne, hatte aber "nur" zwei Celestion 100 Watt Zwölfzöller drin, ich glaube, ich habe vierhundert Schrauben verarbeitet und hatte vom Reindrehen lauter Blasen an den Händen...

Dann hatte ich irgendwann mal eine 15er gebaut, dann zwei getrennte 12er, die habe ich immer noch, klingen durch Weich aufgehängte Celestions plus Mitteltöner sehr linear, nehm ich aber eher als Mini-PA. Dann war die Do it Yourself Phase vorbei, fast.

Hartke mit Alumembran, 4x10er war dann angesagt, dazu hab ich mir noch einen Aufsatz mit vier Fünf-Zöllern draufgetan, ebenfalls Hartkes mit Alumembran.

Dann kamen meine beiden Bag End vier Zehner, einer davon jeweils mit Koaxialhochtöner, beide im Flightcase, zusammen bestimmt über hundert Kilo... davon benutze ich eine im Proberaum, und beim Gig wenn ich Platz genug im Auto habe, oder meine Eden MBW-400 mit zwei Zehnern plus Hochtöner, seit zehn Jahren ungefähr.

Mein letztes Do it Yourself Projekt war dann ein 12er Subwoofergehäuse vom Conrad, Subwoofer raus, Eminence Koaxial-Zwölfer rein, die ideale Reisebox! Für ihre Grösse macht sie ganz schön was her!

Effekte:

Effekte??? Ein Bassist mit Effekten ist wie ein Elefant im Ballettröckchen, Oder? Aber ich habe immer alles ausprobiert und wurde oft als Gitarrist beschimpft...
Mein erster Effekt war ein Electro-Harmonix Phaser, damit habe ich stundenlang Alphonso Johnson nachgemacht. Dann kam der Boss CE-2, heute ebenfalls eine Rarität, dann hatte ich ja den Oktaver und Chorus im EBS Taurus, danach habe ich mir dann ein Boss ME-8 Gitarrenmultieffektgerät gekauft und auf ein Alu-Riffelblech mit Original IKEA Küchengriffen geschraubt. Das Ding benutze ich bei Self seit zehn Jahren mit Verzerrer, Chorus, Hall, Delay, EQ, leider nur ein mässiges Wah-Wah...
Achja zwischendrin hatte ich ja auch noch so ne Art Vocoder von Digitech, damit kam ich aber nie so ganz zurecht, aber das klang schon interessant, Zawinulmässig. Hab das Teil aber vor zwei Jahren verkauft.

Effekte-Update März 2009:
Ein Wah-Wah mußte her, wegen dem mässigen Wah-Sound im Boss und auch im neueren Zoom B2.1u, doch welches? Alle Webtests gecheckt und "Wilson Effects" gefunden. Kevin Wilson ist ein supernetter und genialer Wah-Bauer. Alles Handarbeit, mit echtem Bypass, nicht wie das Dunlop Pedal. Und der Wah Sound ist allererste Sahne! Nun habe ich zwei davon: Eins mit 12-fach Resonanzfilter und vielen Knöpfen zum Rumschrauben und ein neues ganz ohne Knöpfe, nachdem ich mit dem ersten alles ausprobiert hatte, hat er mir dann eins nach meinen Wünschen gebaut. So wurde ich denn auch zum "Wilson Effects" Endorser.
Ausserdem habe ich noch seit 2008r den Digitec JamMan, seitdem ich auch Solokonzerte gebe ein unverzichtbarer Begleiter und zum Üben sowieso.

Saiten, Kabel und Gurte:

Saiten: Cocco, Gurte: Italia Leather, Kabel: Evidence Audio, für alle drei Firmen bin ich Endorser und das mit ganzem Herzen, weil das beste Material kombiniert mit der höchsten Handwerkskunst und dem rechten Herzen dieser Leute einhergeht! Im März 2010 kam noch iGig dazu, fantastische Gigbags, meiner Meinung nach besser als Fodera, Harvest, Reunion - leider kann man auch diese hier nicht anschauen, nur im Internet, aber ich kann garantieren : allererste Sahne!